Reise ins Jenseits und zurück


Pressebericht von Patrick Fauß (Südwestpresse)


Reise ins Jenseits und zurück - Buchautor berichtet in Illertissen von Nahtoderfahrung


Von einer Nahtoderfahrung hat Joseph Atzmüller im Kolleg der Schulbrüder in Illertissen berichtet. 50 Jahre sind seit dem Ereignis vergangen. Die Erfahrung bestimmt das Leben des Österreichers aber immer noch.


"Wenn ein Wirbelsturm Sie abzieht vom Körper, dann kommt das ziemlich genau hin". So stellte Joseph Atzmüller den Augenblick dar, als er das Gefühl hatte, den eigenen Köper zu verlassen, um zu sterben. Am 19. Dezember 1964 hatte der damals 16-Jährige ein Nahtoderlebnis, das sein Leben seither bestimmt. Auf Einladung von Schulseelsorger Pater Christian Hambergern war der in Weyregg am Attersee in Österreich wohnhafte Atzmüller in die voll besetzte Aula des Kollegs der Schulbrüder nach Illertissen gekommen.

Der heutige Unternehmensberater war damals nach einem Blinddarmdurchbruch operiert worden. Allerdings zu spät. Am Abend dieses Tages wurde er um 19.30 Uhr in seinem Bett in ein leeres Zimmer geschoben. Man hatte ihn für tot erklärt. Am schlimmsten sei gewesen, die tiefe Traurigkeit seiner Familie zu spüren. "Eine Sehnsucht nach Versöhnung" habe er in diesem Zimmer verspürt, berichtet Atzmüller. "Diese Traurigkeit hat mir das Sterben eigentlich schwer gemacht." Dann der Augenblick, "als ich den Körper verlassen durfte." Es folgte völlige Dunkelheit, Stille und Verlassenheit. Keine Angst, aber Unsicherheit habe er gefühlt. Danach war es wie in einem Film: In bräunlichen Bildern seien die Stationen seines Lebens an ihm vorbeigezogen. "Ich hab' noch gedacht, schade dass es nicht in Farbe ist."

Die wichtigste Szene: Wie er als Vierjähriger seine um zwei Jahre jüngere Schwester gequält und gegängelt, habe. Wirklich weh getan habe er ihr jedoch nicht. "Aber es war nicht in Ordnung", weiß Atzmüller heute. Er habe nach Ausreden gesucht, Stimmen gehört. Es sei gewesen, als ob zwei Lager um ihn kämpften.

Gefühlt dauerte dieser Kampf Wochen oder Monate. "Vom Schmerz her war es, als ob ich zweigeteilt würde." Am Ende konnte er eine Antwort geben: "Es war nicht in Ordnung". Atzmüller folgert: "Es ging darum, das Leben anzunehmen, ohne Wenn und Aber." Andere Stationen tauchten auf, manche wurde in ähnlicher Weise ausgehandelt. Manche Ereignisse, "die ich nicht mehr erleben wollte", kamen gar nicht vor. Jahre später habe er sich gefragt, was diese gemeinsam hatten: "Sie hatten gemeinsam, dass ich die Entscheidungen bereut habe und letztendlich gebeichtet hatte", sagt der gläubige Katholik.

Dank des Erlebnisses sei er überzeugt, Gott verurteile keinen Menschen. Das mache der Mensch selber. Atzmüller war jedoch noch nicht am Ende seiner "Nahtodreise". Es folgte der Lichtpunkt. "Eine enorme Anziehungskraft" sei von dem hellen Licht ausgegangen. Und Freude, als er merkte, er könne sich auf den Weg dorthin machen. Schließlich folgt die Rückkehr in seinen Körper. "Das war fürchterlich, denn in dem Augenblick war mein Leiden wieder spürbar."

Er sei schließlich aufgewacht im schlichten Abstellraum und habe sich fast nicht mehr bewegen können. Nur einen seiner beiden großen Zehen. Daran sei ein rosa Zettel gehangen mit der Notiz "Gestorben um 20 Uhr." Eine Schwester bemerkte seine Bewegungen, erschrak und rief den Arzt. Der kam herbei, schien jedoch mehr um die Krankenhaus-Bürokratie besorgt, als um den Patienten. Ob der Totenschein noch im Haus sei, wollte der Arzt von der Schwester wissen. "Die Frage hat mich schon geärgert", erinnert sich Atzmüller.

Info Atzmüller hat seine Erlebnisse in einem Buch "Erinnerungen an meine (Deine) Zukunft: Ewiges Leben..." zusammengefasst.