Zwei Oberstufenschüler empfangen die Firmung

Pressebericht der Illertisser Zeitung von Regina Langhans

 

Illertissen/Dietenheim. Es ist wie eine Entscheidung gegen den Strom gegenwärtiger Kirchenaustritte, obwohl Kai Wenninger (17) aus Dietenheim und sein Kumpel Johannes Zimbel (17) aus Unterbalzheim sich schon vor Weihnachten dazu entschieden haben, das Sakrament der Firmung zu empfangen. Dieses wird im Rahmen eines Gottesdienstes zu Ehren des Ordensstifters Johannes von La Salle Samstag, 15. Mai, um 17.30 Uhr in der Kollegskirche sein.

Während Kai Wenniger spontan versichert, diesen Entschluss jederzeit wiederholen zu können, da er seine Entscheidungen nicht vom Verhalten anderer Leute abhängig macht, zeigt sich Johannes Zimbel kritisch: „Die Vorfälle innerhalb der Kirche geben natürlich zu denken, sodass man den eigenen Standpunkt gut überlegt.“ Da pflichtet ihm sein Kumpel bei und hat auch schon Argumente parat: „Darüber haben wir aber oft im Religionsunterricht gesprochen, dass auch in der Kirche Fehler gemacht werden.“

In Religion wird auch über den Alltag gesprochen

Damit kommen die beiden 17-Jährigen auf den Religionsunterricht von Pater Christian zu sprechen, der manchmal gar nicht den Anschein eines solchen hat, sondern Alltagsdinge aufgreift. Aktuelle Filme etwa oder Fernsehsendungen. Bei Gesprächen habe der Pater erfahren, dass zwei seiner Schüler nicht gefirmt sind, weil ihnen damals sowohl die Zeit des Firmunterrichts unpassend kam, als auch der richtige Bezug dazu fehlte. „Meine Eltern verhielten sich da ganz neutral und überließen mir die Entscheidung“, erinnert sich Kai. Ähnlich bei Johannes, der Fußballer war und in der Zeit des Firmunterrichts zum Training wollte.

„Im Verlauf der Unterhaltung fiel mir auf“, so Pater Christian, „dass immer von damals die Rede war - also fragte ich nach dem Jetzt.“ Schnell stellte sich heraus, dass die beiden Elftklässler nicht von der Möglichkeit wussten, auch zu irgendeinem späteren Zeitpunkt gefirmt werden zu können. Der Pater: „Ich erzählte ihnen, dass nach der Taufe als Entscheidung der Eltern für ein Leben mit Gott dann bei der Firmung der angehende Erwachsene diese Entscheidung für sich selbst treffe.

„Für mich wäre diese Entscheidung damals wirklich zu früh gekommen“, urteilt Kai. Dem stimmt Johannes zu. Dieser musste dafür manche Frage nach dem „Warum erst jetzt“ beantworten. Doch sämtliche Mitschüler und Kumpel finden den Entschluss der beiden okay. „Wir sind deswegen niemals negativ angesprochen worden.“

Um ihre Firmvorbereitung wird sie mancher beneiden, denn diese konzentrierte sich auf einen einzigen Tag, den sie im Kloster Roggenburg, wo Pater Christian wohnt, verbrachten: „Das war hochinteressant, wir waren in der Kirche, haben zusammen gegessen und waren die ganze Zeit bei den Mönchen.“ Aufgeregt sind die beiden Firmlinge wegen des bevorstehenden Festtags nicht, aber doch sehr gespannt. Für Kai macht der Opa den Firmpaten, bei Johannes ist es die 22-jährige Schwester, die sich angeboten hat und schon darauf freut.

Wer sich noch freut, im doppelten Sinne, ist Pater Christian, der von Bischof Gebhard Fürst vom zuständigen Bistum Rottenburg-Stuttgart dazu bevollmächtigt wurde, in diesem Fall den beiden Schülern das Sakrament der Firmung zu spenden.

„Wir sind schon eifrig am Vorbereiten“, so der Pater etwas geheimnisvoll, „schließlich verfügt die Kollegskirche nicht über eine solche Infrastruktur mit Organisten oder Ministranten wie eine Pfarrkirche.

IZ vom 15. Mai 10