Bezirkstagspräsident a. D. steht Rede & Antwort

Ein Bericht von Alexander Lammerich (11b)


Am 12. November 2008 war für uns eine ganz besondere Religionsstunde: Im Rahmen unseres Unterrichts konnten wir, die Schüler der 11b, den ehemaligen Landrat und Bezirkstagspräsidenten Dr. Georg Simnacher bei uns begrüßen. Dass Dr. Simnacher trotz seines auch im Ruhestand immer vollen Terminplanes dennoch kurzfristig die Zeit für uns hatte, ist nicht zuletzt Verdienst unseres Religionslehrers Pater Christian Hamberger, der alle Fäden für den Besuch gezogen hatte. Auch waren wir durch seinen Unterricht, in dem wir im Vorfeld das große Thema „Beziehung Staat-Kirche“, bestehend etwa aus den Telbereichen Kirchensteuer, Vatikan und den Vor- und Nachteilen einzelner Beziehungsformen zwischen Staat und Kirche, besprochen hatten, gut vorbereitet und mit allerhand Fragen gerüstet.

Doch bevor wir damit loslegen konnten, erfuhren wir zuerst noch Einiges aus dem Leben Dr. Simnachers:

1932 in Ziemetshausen bei Krumbach geboren, machte er in den Wirren der Nachkriegszeit zunächst eine Lehre als Seilermeister, anschließend mittlere Reife und Abitur und studierte schließlich Jura in München und Erlangen. Während seiner Referendarzeit im Innenministerium und im Ministerium für Bundesangelegenheiten kam er intensiv mit der Politik in Berührung und entschied sich schnell für den Bayerischen Staatsdienst. Mit nur 34 Jahren war Dr. Simnacher schließlich Landrat von Günzburg, später Bezirksrat und Fraktionschef und wurde schließlich zum Bezirkstagspräsidenten von Schwaben gewählt. So bekleidete der CSU-Politiker äußerst erfolgreich sogar zwei Ämter gleichzeitig über Jahrzehnte hinweg, bis er zunächst das Amt des Landrates und 2003 auch das des Bezirkstagspräsidenten aufgab und in den wohlverdienten Ruhestand ging.

Seine Beziehung zur Kirche ist ihm nicht nur durch seine Bayerische Heimat immer wichtig gewesen, er pflegte die Zusammenarbeit mit dem Vatikan, aber auch mit der protestantischen Kirche und orthodoxen Gemeinden in Rumänien während seiner ganzen Karriere und darüber hinaus. Außerdem widmete Dr. Simnacher sich der Restaurierung einer Synagoge und beschäftigte sich mit der Neunutzung von leerstehenden Klöstern. Er meint aber auch, dass z. B. der Islam etwa in Sachen Offenheit in manchen Punkten noch etwas nachzuholen hätte. Außerdem sollten seiner Sicht nach kirchliche Schulen vom Staat noch stärker unterstütz werden. Auch in einigen Punkten  der bayerischen Schulpolitik ist er durchaus nicht der Meinung seiner Parteikollegen, etwa der Aufteilung in die drei Schularten schon nach dem vierten Schuljahr.

Überfordert war Dr. Simnacher nach seinen Angaben in seinem Beruf nie, er arbeitete nach eignen Prinzipien und versuchte immer seine Grenzen zu erkennen. Dazu passen war sein Motto, das er uns zum Ende mit auf den Weg gab: „Das nächste Ziel musst du gut machen!“, auch im Hinblick auf die uns betreffende G9-G8-Schnittstelle und unseren doppelten Abiturjahrgang.

Ein guter Abschluss einer durch und durch gelungenen Unterrichtsstunde. Vielen Dank an alle, die uns das möglich gemacht haben!